HEIDELBERG & HAMBURG
HEIDELBERG
2. bis 4. November
Einmal mehr mache ich mich auf ins Rhein-Neckar-Delta. Wieder ein Mal steht ein Besuch in Heidelberg an, bei meiner Freundin Nadine, mit der ich zusammen an einem Buchprojekt arbeite. Erst einmal aber verpassen wir uns am Heidelberger Hauptbahnhof, weil es ein Missverständnis mit den Ankunftszeiten gab. Also komme ich an, von Nadine aber keine Spur. Ich begebe mich mal in die Wartehalle, vielleicht hat sie sich ja verspätet und so würde ich sie gerade erspähen, statt dessen stolpert mir aber ihr Freund Robby über den Weg. Der schaut relativ baff, als ich meine: "Ist schon lustig mit euch, da verabredet man sich mit jemand von euch zweien, und es kommt die andere Person!"
Dann haben wir bei Nadine zu Hause angerufen und uns die Zeit mit Kaffee und "Teilchen" (in der Schweiz würde man dazu jetzt "Gebäckstücke" sagen, oder das Ding konkret benennen, zum Beispiel mit "Schoko-Croissant") vertrieben.
Bei Nadine angekommen, starten wir ein kleines-grosses Geköch und Gedoots und dann machen wir uns auf, das Heidelberger Nachtleben zu erobern. Es steht eine Funk und Soul Party an im "Zum Teufel", leider kippt der Sound nach ein Uhr immer mehr in die 80er-Disco-Hits. Deshalb ziehen wir weiter in s Cave 54, wo wir schon den legendären Chica-Geburtstags-Glapf eingeläutet hatten.
Am nächsten Morgen gehen wir erst einkaufen, kochen etwas leckeres und arbeiten dann ein paar Stunden an unserem gemeinsamen Roman. Leider vergebens.
Am Abend gehts dann in den Schwimmbad Klub, wo Al Jawala spielen, eine Gypsy-Jazz-Balkan-Funk Truppe mit zwei Saxofonen, einem technischen Souhund als Bassisten und keiner Gitarre, dafür einem grossartigen Perkussionisten. Alles in allem eine eher ungewöhnliche Kombination, die mich nicht aus den Socken gehauen hätten, wenn ich das Line-Up gelesen hätte, zwei Saxofone sind dann doch schnell ein Mal zwei Saxofone zu viel.
Nichtsdestotrotz überzeugte die Band mit viel Groove, Improvisationen, spannenden Breaks und Tanzstimmung. Und wenn wir gleich zu den Tänzern kommen: da hatte es im Publikum ein paar ganz schlimme Exemplare. Süss war das Neo-Hippie-Rasta-Pärchen vor uns mit ihrem exorbitanten Sirtaki-Gehüpfe. Eher etwas peinlich war der geschniegelte und gegeelte Freizeitcasanova mit seiner Russin. Die schlängelte sich beim Tanzen so routiniert um ihn herum wie die Ostblockgirls in den einschlägigen Bars. Also komplett deplaziert. Wo der die wohl aufgegabelt hatte?
Wir rätselten ob er die wohl irgendwo bei einer Verlosung für einen Abend lang gewonnen hatte; immerhin war ja "Tag des Mannes" wie der (eher nicht schwule) Saxofonist nach jedem zweiten Song verkündete.
Nadines Heiserkeit und Erkältungssymptome hatten inzwischen ihren Höchststand erreicht, daher machten wir uns nach dem Konzert bald einmal auf und waren an jenem Abend ein ganzes Stück früher zu Haus.
4. BIS 6. November
HAMBURG
Sonntagabend, 20.00 Uhr, S-Bahnhof "Holstenstrasse". Ich steige aus dem oben genannten Gefährt, da grinsen mir auf dem Bahnsteig drei Freaks entgegen: einer gross (Maui), einer eher klein (Jan) und einer hippiemässig-langhaarig (Peter). Drei Viertel der Hamburger Jam Band CAPTAIN OBVIOUS bilden mein Empfangskomitee. Mann, bin ich froh, endlich hier zu sein! Diese Begrüssung entschädigt mich schon fast für die ganzen Strapazen und den Stress der Reise von Heidelberg hierhin.
Doch halt, von Anfang an: Bevor ich nämlich am Sonntagabend auf jenem Bahnsteig so goldig willkommen geheissen werde, drückt mir das Schicksal einen schönen Spiessrutenlauf auf, wo ich meine ganze Reisetauglichkeit und mein ganzes "On the Road"-Feeling mal wieder unter Beweis stellen darf: Im Mannheimer Hauptbahnhof angekommen, habe ich etwa 20 Minuten Aufenthalt, bevor ich den ICE nach Hamburg erwischen sollte, der um halb sechs Abends da ankommen sollte, wie es mit Maui verabredet war. Diese 20 Minuten erweisen sich als ideal um Geld zu wechseln und etwas Wegverpflegung zu kaufen. Und weil Sonntag ist und am Sonntag irgendwie alle unterwegs zu sein scheinen und weil so ein Menschenauflauf herrscht an jenem Sonntag in der Halle des Mannheimer Hauptbahnhofes, muss man sich überall, wo man etwas will, anstellen. Das heisst dann jedes Mal: Reisetasche abladen, Laptop abladen, Anstehen, Besorgung erledigen, Laptop aufladen, Reisetasche aufladen, weiter zum nächsten Schalter. Irgenwann zwischen Bäckereistand und Gleis lade ich dann mein Laptop nicht mehr auf, weil es schlicht weg nicht mehr da steht.
Weg. Geklaut!
Die mögen wir doch am liebsten...
Zuerst denk ich noch, ich hätte die Tasche mit dem Laptop irgendwo vergessen oder stehen gelassen, nach einer halben Stunde herumrennen und hundert Leute fragen plus einem Besuch auf der Polizeistation dämmerts mir dann, dass das Ding wohl geklaut worden ist. Der Zug nach Hamburg ist natürlich schon längst abgefahren inzwischen und Mauis Handynummer habe ich nicht.
Ich nehme also mal den nächsten Zug nach Hamburg, komme da etwas mehr als eine Stunde verspätet an - von Maui keine Spur. Logischerweise. Ich wollte ja auch über eine Stunde früher da sein.
(Woher kommt mir das schon wieder bekannt vor?)
Mittels einigen Telefonaten und mit Hilfe des Schweden komme ich dann an die Telefonnummern von Meister Maui ran, der mich dann eben an den S-Bahnhof HOlstenstrasse bestellt, wo wir gleich ein mal erst Bier einkaufen gehen und ein Besäufnis starten.
Danach gings weiter ans Konzert der BABACOOLS, einer Hannoverschen Latin-Reggae-Fun-Truppe mit etwa 5 Musikern und noch ein Mal 3 MCs/Sängern. Und diese 3 Typen sahen alle so furchtbar metro&gegelt aus, dass wir uns ernsthaft gefragt haben, wer von denen NICHT homo ist. Das Konzert war aber ganz okay und für einen Sonntagabend brachten die Jungs das halbvolle Knust ganz schön zum rocken. Lustig war, dass wir von irgend so einem Bleiertypen, der aber selber überhaupt nichts mit der Band zu tun hat, durch den Hintereingang herein geführt worden sind (also ohne zu bezahlen, was meinen Hamburger Freunden gerade recht kam), wo wir dann leider genau dem Booker der Ladens, Norbert, in die Arme liefen, mit dem ich auch schon Bekanntschaft geschlossen hatte (allerdings war er damals so blau, ist er wohl immer, dass er sich nicht an mich zu erinnern schien).
Der nächste Tag war dann geprägt von lange Ausschlafen, Frühstück & Morgendoots, Bootsfahrt, dem Aztekenhaus, Kochen in Jan&Tims WG (Gitarrist & Bassist von Captain Obvious) und einer Band-Jam-Probe von CO. Weil Montag war und überhaupt bis auf den Jan, der dann so ein bisschen Fremdenführer für mich spielte, alle zur Arbeit mussten, wurde es an jenem Abend auch nicht so spät wie am Tag zuvor.
Am Dienstag besuchten wir dann noch das MINIATUR WUNDERLAND, die absolut erstaunliche, miniatur-mässig nachgebaute Welt eines Freaks. Statt die Modelleisenbahnen durch eine PHantasielandschaft rattern zu lassen, baute irgend so ein Freak zuerst Hamburg nach, dann weitere Teile Deutschlands, Skandinaviens, Nordamerikas und der Schweiz. Da stehen dann also so die wichtigsten und bekannstesten Gebäude und in den Fensterchen sind Lichtlein, und es wird Tag und Nacht, und nicht nur Züge rattern durch diese ganze spacige Angelegenheit, aus kleine Autos und Lastwagen fahren auf Strassen, ganz ohne Schienen, halten an roten Ampeln und blinken beim Abbiegen!
Mein Gott, wie spacig ist das denn!
Man verbringt dann schnell ein Mal 3 Stunden in diesem Paradies und wenn man rauskommt, schwirrt einen der Kopf und man staunt wie gross all die Gebäude und Autos doch eigentlich sind...
... so alles in allem kann ich einfach nur sagen:
"DAS HAT SPASS GEMACHT!"
2. bis 4. November
Einmal mehr mache ich mich auf ins Rhein-Neckar-Delta. Wieder ein Mal steht ein Besuch in Heidelberg an, bei meiner Freundin Nadine, mit der ich zusammen an einem Buchprojekt arbeite. Erst einmal aber verpassen wir uns am Heidelberger Hauptbahnhof, weil es ein Missverständnis mit den Ankunftszeiten gab. Also komme ich an, von Nadine aber keine Spur. Ich begebe mich mal in die Wartehalle, vielleicht hat sie sich ja verspätet und so würde ich sie gerade erspähen, statt dessen stolpert mir aber ihr Freund Robby über den Weg. Der schaut relativ baff, als ich meine: "Ist schon lustig mit euch, da verabredet man sich mit jemand von euch zweien, und es kommt die andere Person!"
Dann haben wir bei Nadine zu Hause angerufen und uns die Zeit mit Kaffee und "Teilchen" (in der Schweiz würde man dazu jetzt "Gebäckstücke" sagen, oder das Ding konkret benennen, zum Beispiel mit "Schoko-Croissant") vertrieben.
Bei Nadine angekommen, starten wir ein kleines-grosses Geköch und Gedoots und dann machen wir uns auf, das Heidelberger Nachtleben zu erobern. Es steht eine Funk und Soul Party an im "Zum Teufel", leider kippt der Sound nach ein Uhr immer mehr in die 80er-Disco-Hits. Deshalb ziehen wir weiter in s Cave 54, wo wir schon den legendären Chica-Geburtstags-Glapf eingeläutet hatten.
Am nächsten Morgen gehen wir erst einkaufen, kochen etwas leckeres und arbeiten dann ein paar Stunden an unserem gemeinsamen Roman. Leider vergebens.
Am Abend gehts dann in den Schwimmbad Klub, wo Al Jawala spielen, eine Gypsy-Jazz-Balkan-Funk Truppe mit zwei Saxofonen, einem technischen Souhund als Bassisten und keiner Gitarre, dafür einem grossartigen Perkussionisten. Alles in allem eine eher ungewöhnliche Kombination, die mich nicht aus den Socken gehauen hätten, wenn ich das Line-Up gelesen hätte, zwei Saxofone sind dann doch schnell ein Mal zwei Saxofone zu viel.
Nichtsdestotrotz überzeugte die Band mit viel Groove, Improvisationen, spannenden Breaks und Tanzstimmung. Und wenn wir gleich zu den Tänzern kommen: da hatte es im Publikum ein paar ganz schlimme Exemplare. Süss war das Neo-Hippie-Rasta-Pärchen vor uns mit ihrem exorbitanten Sirtaki-Gehüpfe. Eher etwas peinlich war der geschniegelte und gegeelte Freizeitcasanova mit seiner Russin. Die schlängelte sich beim Tanzen so routiniert um ihn herum wie die Ostblockgirls in den einschlägigen Bars. Also komplett deplaziert. Wo der die wohl aufgegabelt hatte?
Wir rätselten ob er die wohl irgendwo bei einer Verlosung für einen Abend lang gewonnen hatte; immerhin war ja "Tag des Mannes" wie der (eher nicht schwule) Saxofonist nach jedem zweiten Song verkündete.
Nadines Heiserkeit und Erkältungssymptome hatten inzwischen ihren Höchststand erreicht, daher machten wir uns nach dem Konzert bald einmal auf und waren an jenem Abend ein ganzes Stück früher zu Haus.
4. BIS 6. November
HAMBURG
Sonntagabend, 20.00 Uhr, S-Bahnhof "Holstenstrasse". Ich steige aus dem oben genannten Gefährt, da grinsen mir auf dem Bahnsteig drei Freaks entgegen: einer gross (Maui), einer eher klein (Jan) und einer hippiemässig-langhaarig (Peter). Drei Viertel der Hamburger Jam Band CAPTAIN OBVIOUS bilden mein Empfangskomitee. Mann, bin ich froh, endlich hier zu sein! Diese Begrüssung entschädigt mich schon fast für die ganzen Strapazen und den Stress der Reise von Heidelberg hierhin.
Doch halt, von Anfang an: Bevor ich nämlich am Sonntagabend auf jenem Bahnsteig so goldig willkommen geheissen werde, drückt mir das Schicksal einen schönen Spiessrutenlauf auf, wo ich meine ganze Reisetauglichkeit und mein ganzes "On the Road"-Feeling mal wieder unter Beweis stellen darf: Im Mannheimer Hauptbahnhof angekommen, habe ich etwa 20 Minuten Aufenthalt, bevor ich den ICE nach Hamburg erwischen sollte, der um halb sechs Abends da ankommen sollte, wie es mit Maui verabredet war. Diese 20 Minuten erweisen sich als ideal um Geld zu wechseln und etwas Wegverpflegung zu kaufen. Und weil Sonntag ist und am Sonntag irgendwie alle unterwegs zu sein scheinen und weil so ein Menschenauflauf herrscht an jenem Sonntag in der Halle des Mannheimer Hauptbahnhofes, muss man sich überall, wo man etwas will, anstellen. Das heisst dann jedes Mal: Reisetasche abladen, Laptop abladen, Anstehen, Besorgung erledigen, Laptop aufladen, Reisetasche aufladen, weiter zum nächsten Schalter. Irgenwann zwischen Bäckereistand und Gleis lade ich dann mein Laptop nicht mehr auf, weil es schlicht weg nicht mehr da steht.
Weg. Geklaut!
Die mögen wir doch am liebsten...
Zuerst denk ich noch, ich hätte die Tasche mit dem Laptop irgendwo vergessen oder stehen gelassen, nach einer halben Stunde herumrennen und hundert Leute fragen plus einem Besuch auf der Polizeistation dämmerts mir dann, dass das Ding wohl geklaut worden ist. Der Zug nach Hamburg ist natürlich schon längst abgefahren inzwischen und Mauis Handynummer habe ich nicht.
Ich nehme also mal den nächsten Zug nach Hamburg, komme da etwas mehr als eine Stunde verspätet an - von Maui keine Spur. Logischerweise. Ich wollte ja auch über eine Stunde früher da sein.
(Woher kommt mir das schon wieder bekannt vor?)
Mittels einigen Telefonaten und mit Hilfe des Schweden komme ich dann an die Telefonnummern von Meister Maui ran, der mich dann eben an den S-Bahnhof HOlstenstrasse bestellt, wo wir gleich ein mal erst Bier einkaufen gehen und ein Besäufnis starten.
Danach gings weiter ans Konzert der BABACOOLS, einer Hannoverschen Latin-Reggae-Fun-Truppe mit etwa 5 Musikern und noch ein Mal 3 MCs/Sängern. Und diese 3 Typen sahen alle so furchtbar metro&gegelt aus, dass wir uns ernsthaft gefragt haben, wer von denen NICHT homo ist. Das Konzert war aber ganz okay und für einen Sonntagabend brachten die Jungs das halbvolle Knust ganz schön zum rocken. Lustig war, dass wir von irgend so einem Bleiertypen, der aber selber überhaupt nichts mit der Band zu tun hat, durch den Hintereingang herein geführt worden sind (also ohne zu bezahlen, was meinen Hamburger Freunden gerade recht kam), wo wir dann leider genau dem Booker der Ladens, Norbert, in die Arme liefen, mit dem ich auch schon Bekanntschaft geschlossen hatte (allerdings war er damals so blau, ist er wohl immer, dass er sich nicht an mich zu erinnern schien).
Der nächste Tag war dann geprägt von lange Ausschlafen, Frühstück & Morgendoots, Bootsfahrt, dem Aztekenhaus, Kochen in Jan&Tims WG (Gitarrist & Bassist von Captain Obvious) und einer Band-Jam-Probe von CO. Weil Montag war und überhaupt bis auf den Jan, der dann so ein bisschen Fremdenführer für mich spielte, alle zur Arbeit mussten, wurde es an jenem Abend auch nicht so spät wie am Tag zuvor.
Am Dienstag besuchten wir dann noch das MINIATUR WUNDERLAND, die absolut erstaunliche, miniatur-mässig nachgebaute Welt eines Freaks. Statt die Modelleisenbahnen durch eine PHantasielandschaft rattern zu lassen, baute irgend so ein Freak zuerst Hamburg nach, dann weitere Teile Deutschlands, Skandinaviens, Nordamerikas und der Schweiz. Da stehen dann also so die wichtigsten und bekannstesten Gebäude und in den Fensterchen sind Lichtlein, und es wird Tag und Nacht, und nicht nur Züge rattern durch diese ganze spacige Angelegenheit, aus kleine Autos und Lastwagen fahren auf Strassen, ganz ohne Schienen, halten an roten Ampeln und blinken beim Abbiegen!
Mein Gott, wie spacig ist das denn!
Man verbringt dann schnell ein Mal 3 Stunden in diesem Paradies und wenn man rauskommt, schwirrt einen der Kopf und man staunt wie gross all die Gebäude und Autos doch eigentlich sind...
... so alles in allem kann ich einfach nur sagen:
"DAS HAT SPASS GEMACHT!"
arie - 11. November, 10:12


