Pregnant Rainbows for Colourblind Dreamers
Im Jahr 2007 hat der Verlag Premium Publishish eine "Encyclopedia of Swedish Progressive 400 schwedischen Band aus der Zeit zwischen 1967 und 1979 katalogisiert, über verschiedene Formationen Aufschluss gibt und mit einigen wenigen Anekdoten gewürzt ist.
Nun ist begleitend zu diesem Buch ein 4-scheibiger Sampler auf CD herausgekommen, der 71 ausgewählte Stücke, die diesen Zeitgeist besonders gut ausdrücken, präsentiert.
Auf CD1 zeigt sich die grosse stilistische Vielfalt des schwedischen "Progressive Rock" oder "Progg". Unter schwedischem "Progressive" muss man sich eher ein politisches als eine musikalisches Programm vorstellen. Der dritte Song des ersten Teils dieses Samplers stammt von Arbete & Fritid (Arbeit & Freizeit) - die wie ein osteuropäisches Feld-Wald-und-Wiesen Orchester klingen, das in den kleinen Käffern um Lviv zu jeder Hochzeit, Taufe und Beerdigung aufspielt ("Ganglat efter Lejsme Per Larrson", Track 3) - geben dann auch schon Aufschluss über die politische Orientierung der Band geben, und das, obwohl es im besagten Stück keine Lyrics hat; die Assoziation "Osten - Kommunismus" ist beim Hören sofort da.
Etwas Deep Purple-mässig kommt einem das Intro von "Tvivlaren" (Asoka, Track 5) vor, sobald jedoch der Strophenteil einsetzt, denkt man an die White Stripes. Das Drum ist treibend und straight, ebenso die Gitarrenriffs, und zwischendurch bricht eine knorzige Orgel das Gefüge auf und lässt der Gitarre Platz zum solieren. Und dann sind plötzlich Iron Butterly da und klopfen auch noch schnell an die Tür. Grosses Kino!
Das darauffolgende Stück ("Take a Look around you" von Atlantic Ocean) muss ebenfalls erwähnt werden wegen seiner Nähe zu Bob Dylan, klingt überzeugend amerikanisch!
Und schon kommt vielleicht das grösste, was die Stockholmer Szene damals zu bieten hatte: Baby Grandmothers, ein Jam-Power-Trio ganz im Sinne von Cream. Baby Grandmothers, die sich getrauen, 3 instrumentale 12-Minüter auf eine CD zu hauen und es "Album" zu nennen ("Being is More than Life, Track 7).
Diese CD bietet ausserdem noch Holzpferdchenkarusselmusik (Track 11), feinsten Bluesrock, schwedisch eingezählt (Track 13) und mit Sitharbegleitung und das zappaeske "Labyrinth" von Dice (Trak 15).
Auf CD2 besticht vor allem durch lange, instrumentale Intros - man fängt sich schon an zu fragen, "Aha, wieder ein Instrumentalstück?", bis dann bei Minute 3 doch noch ein wenig leise eingemischter und zum teil mehrstimmig-schräger Gesang kommt. Mir ist zu allererst das Stück "Musik Är Ljuset" (Track 9) von Kajpa hängengeblieben, die Melodie klingt arg nach von-Camel-abgekupfert, auch die Songstruktur zeugt von Beschäftigung mit der britischen Ausrichtung des "Progressive Rock". Einen so groovigen Zwischenteil dürfte man aber bei Bands wie Yes oder Rush oder eben Camel eher nicht erwarten.
Angenehmen Gesang und eine tolle Orgel bietet das sehr kurze Stücklein "Kosterläge" von Mats Glenngard (Track 2). Die gleich darauf folgenden Stücke von Hansson und Karlsson bzw Karlsson Solo gehen in die Richtung Fusion mit jazzigen Beats und Orgelsoli.
Toll auf dieser Scheibe finde ich ebenfalls das Intro von "You and I" von der Hoola Bandoola Band. Klingt wie eine sehr bunte Mischung aus Beatles und Grateful Dead. Schon wieder die LSD-Fraktion am Werk! Zeitenweise hat der 8-Minüter dann aber seine dramaturgischen Durchhänger und mit der Dynamik klappts auch nicht immer so, wie sie vielleich live eher rübergekommen wäre.
CD4 Die Scheibe fängt an mit einem grossen schwedischen Act, Samla Mammas Manna. Der Song "Minareten" überzeugt allerdings nicht, obwohl man den vielleicht mal gewissen SVP-Politikern vorspielen müsste. Eine ebenfalls grosse Jamrock Truppe aus jener Zeit und auch heute noch on Tour sind mit "Träd Gräs Och Stenar" (zu Deutsch: Baum, Gras und Steine - ja, die LSD-Hippies lassen schon im Bandnamen grüssen!) ebenfalls auf CD 4 (Track 9) vertreten. Wobei ich allerdings der Meinung bin, dass ein Song mit einem guten Schluss (und bei Jam-Rock braucht es einfach gute Schlüsse, da gipfelt ja die ganze Energie des Jams drin!) nicht gefadet werden muss und vor allem nicht gefadet werden darf!!!
Weiter gehts dann allerdings sofort sehr erfreulich. Janne Schaffner und "Fillins Mignon".
Nicht überzeugt hat mich leider das darauffolgende Stück: die jazzig angehauchte Version eines Folksongs der Sängerin Turid (Track 10). Die Stimme ist teilweise brüchig und sehr dünn. Die Gitarrenbegleitung ist zwar sehr schön, aber das Piano fängt dann einfach an zu nerven mit dem Geklimper. Ein Gegenstück dazu bietet der dramatische Gesang von Monica Törnell (Track 11). Ein sehr minimalistischer Hintergrund (zwei Basstöne, 2-4-Schlagzeug und 2 Gitarren, die einfach nur mit Sounds experimentieren) wirkt schon fast meditativ und hat etwas Avantgardistisches. Leider auch hier wieder dieser elende Fade-Out, kaum hat die Gitarre (endlich) die Gesangsmelodie "gefunden").
Ein klassisches Intro (Siena Root haben sich hier wohl auch inspirieren lassen) bieten "Vatten" (Das Wasser) mit "Jag är trött" (Ich bin müde) - der Song an sich erinnert mich ein wenig an Cream und die Vocals an eine andere (für mitteleuropäische Ohren) sehr exotische 70er-Prog-Band; Tamuz aus Israel. Ganz klar einer meiner Favoriten!
Für den schrägen Aspekt dieser Kollektion sorgt der Schluss eines Songs ("Red Queen of the Underground", Track 3 auf CD 4) noch stockendes Gelalle.
Beendet wird diese vierte und letze Scheibe vom Stück, das der Compilation auch seinen Namen leiht, dem Psychostück "Pregnant Rainbows for Colourblind Dreamers" von Ardy - The Painter of Love, dessen Lyrics dann allerdings ein bisschen ins Schlüpfrige abrutschen.
Was man ein bisschen vermisst ist Psychedelia à la Pink Floyd und Blackmusic. Obwohl zwar durchaus jazzige Gitarrenbegleitungen oder swingiges Schlagzeugspiel imitiert werden oder sogar dann und wann mal eine Art Blues hervorgeholt wird fehlen die "Roots", die Authentizität. Es klingt zwar irgendwie so ein bisschen nach Jazz oder Blues, aber nie nach Missisippi oder Baumwollplantagen. Der Groove installiert sich eigentlich eher in unisono gespielten, minimalistisch variierten, heavy Riffs a la Black Sabbath oder Led Zeppelin. Stilrichtungen wie Funk oder Soul sucht man vergebens.
Und was ich auch nicht ganz verstehe, ist, wieso diese Überblendungen von Glockengeläut oder Akkordeon-Gefiepe umbedingt sein müssen. Wahrscheinlich um keinen Fade-Out machen zu müssen...
..für alle Fans von Prog-Rock, psychedelischem Folk und Skandinavien ist diese Compilation aber das absolute Muss! Man nimmt sich bei Hören sofort vor, im nächsten Skandinavien-Urlaub umbedingt auf Fjorde und Seen zu verzichten und die ganze Zeit in Plattenläden und auf Flohmärkten rumzuhängen um nach diesen Perlen zu tauchen...
(Anspieltipps:
CD1: 5) "Tvivlaren" - Asoka
CD1: 7) "Being is more than Life" - Baby Grandmothers
CD2: 9) "Musiken är Ljuset" - Kajpa
CD4: 2) "Fillins Mignon" - Janne Schaffner
CD4: 13) "Jag är Trött" - Vatten)
Nun ist begleitend zu diesem Buch ein 4-scheibiger Sampler auf CD herausgekommen, der 71 ausgewählte Stücke, die diesen Zeitgeist besonders gut ausdrücken, präsentiert.
Auf CD1 zeigt sich die grosse stilistische Vielfalt des schwedischen "Progressive Rock" oder "Progg". Unter schwedischem "Progressive" muss man sich eher ein politisches als eine musikalisches Programm vorstellen. Der dritte Song des ersten Teils dieses Samplers stammt von Arbete & Fritid (Arbeit & Freizeit) - die wie ein osteuropäisches Feld-Wald-und-Wiesen Orchester klingen, das in den kleinen Käffern um Lviv zu jeder Hochzeit, Taufe und Beerdigung aufspielt ("Ganglat efter Lejsme Per Larrson", Track 3) - geben dann auch schon Aufschluss über die politische Orientierung der Band geben, und das, obwohl es im besagten Stück keine Lyrics hat; die Assoziation "Osten - Kommunismus" ist beim Hören sofort da.
Etwas Deep Purple-mässig kommt einem das Intro von "Tvivlaren" (Asoka, Track 5) vor, sobald jedoch der Strophenteil einsetzt, denkt man an die White Stripes. Das Drum ist treibend und straight, ebenso die Gitarrenriffs, und zwischendurch bricht eine knorzige Orgel das Gefüge auf und lässt der Gitarre Platz zum solieren. Und dann sind plötzlich Iron Butterly da und klopfen auch noch schnell an die Tür. Grosses Kino!
Das darauffolgende Stück ("Take a Look around you" von Atlantic Ocean) muss ebenfalls erwähnt werden wegen seiner Nähe zu Bob Dylan, klingt überzeugend amerikanisch!
Und schon kommt vielleicht das grösste, was die Stockholmer Szene damals zu bieten hatte: Baby Grandmothers, ein Jam-Power-Trio ganz im Sinne von Cream. Baby Grandmothers, die sich getrauen, 3 instrumentale 12-Minüter auf eine CD zu hauen und es "Album" zu nennen ("Being is More than Life, Track 7).
Diese CD bietet ausserdem noch Holzpferdchenkarusselmusik (Track 11), feinsten Bluesrock, schwedisch eingezählt (Track 13) und mit Sitharbegleitung und das zappaeske "Labyrinth" von Dice (Trak 15).
Auf CD2 besticht vor allem durch lange, instrumentale Intros - man fängt sich schon an zu fragen, "Aha, wieder ein Instrumentalstück?", bis dann bei Minute 3 doch noch ein wenig leise eingemischter und zum teil mehrstimmig-schräger Gesang kommt. Mir ist zu allererst das Stück "Musik Är Ljuset" (Track 9) von Kajpa hängengeblieben, die Melodie klingt arg nach von-Camel-abgekupfert, auch die Songstruktur zeugt von Beschäftigung mit der britischen Ausrichtung des "Progressive Rock". Einen so groovigen Zwischenteil dürfte man aber bei Bands wie Yes oder Rush oder eben Camel eher nicht erwarten.
Angenehmen Gesang und eine tolle Orgel bietet das sehr kurze Stücklein "Kosterläge" von Mats Glenngard (Track 2). Die gleich darauf folgenden Stücke von Hansson und Karlsson bzw Karlsson Solo gehen in die Richtung Fusion mit jazzigen Beats und Orgelsoli.
Toll auf dieser Scheibe finde ich ebenfalls das Intro von "You and I" von der Hoola Bandoola Band. Klingt wie eine sehr bunte Mischung aus Beatles und Grateful Dead. Schon wieder die LSD-Fraktion am Werk! Zeitenweise hat der 8-Minüter dann aber seine dramaturgischen Durchhänger und mit der Dynamik klappts auch nicht immer so, wie sie vielleich live eher rübergekommen wäre.
CD4 Die Scheibe fängt an mit einem grossen schwedischen Act, Samla Mammas Manna. Der Song "Minareten" überzeugt allerdings nicht, obwohl man den vielleicht mal gewissen SVP-Politikern vorspielen müsste. Eine ebenfalls grosse Jamrock Truppe aus jener Zeit und auch heute noch on Tour sind mit "Träd Gräs Och Stenar" (zu Deutsch: Baum, Gras und Steine - ja, die LSD-Hippies lassen schon im Bandnamen grüssen!) ebenfalls auf CD 4 (Track 9) vertreten. Wobei ich allerdings der Meinung bin, dass ein Song mit einem guten Schluss (und bei Jam-Rock braucht es einfach gute Schlüsse, da gipfelt ja die ganze Energie des Jams drin!) nicht gefadet werden muss und vor allem nicht gefadet werden darf!!!
Weiter gehts dann allerdings sofort sehr erfreulich. Janne Schaffner und "Fillins Mignon".
Nicht überzeugt hat mich leider das darauffolgende Stück: die jazzig angehauchte Version eines Folksongs der Sängerin Turid (Track 10). Die Stimme ist teilweise brüchig und sehr dünn. Die Gitarrenbegleitung ist zwar sehr schön, aber das Piano fängt dann einfach an zu nerven mit dem Geklimper. Ein Gegenstück dazu bietet der dramatische Gesang von Monica Törnell (Track 11). Ein sehr minimalistischer Hintergrund (zwei Basstöne, 2-4-Schlagzeug und 2 Gitarren, die einfach nur mit Sounds experimentieren) wirkt schon fast meditativ und hat etwas Avantgardistisches. Leider auch hier wieder dieser elende Fade-Out, kaum hat die Gitarre (endlich) die Gesangsmelodie "gefunden").
Ein klassisches Intro (Siena Root haben sich hier wohl auch inspirieren lassen) bieten "Vatten" (Das Wasser) mit "Jag är trött" (Ich bin müde) - der Song an sich erinnert mich ein wenig an Cream und die Vocals an eine andere (für mitteleuropäische Ohren) sehr exotische 70er-Prog-Band; Tamuz aus Israel. Ganz klar einer meiner Favoriten!
Für den schrägen Aspekt dieser Kollektion sorgt der Schluss eines Songs ("Red Queen of the Underground", Track 3 auf CD 4) noch stockendes Gelalle.
Beendet wird diese vierte und letze Scheibe vom Stück, das der Compilation auch seinen Namen leiht, dem Psychostück "Pregnant Rainbows for Colourblind Dreamers" von Ardy - The Painter of Love, dessen Lyrics dann allerdings ein bisschen ins Schlüpfrige abrutschen.
Was man ein bisschen vermisst ist Psychedelia à la Pink Floyd und Blackmusic. Obwohl zwar durchaus jazzige Gitarrenbegleitungen oder swingiges Schlagzeugspiel imitiert werden oder sogar dann und wann mal eine Art Blues hervorgeholt wird fehlen die "Roots", die Authentizität. Es klingt zwar irgendwie so ein bisschen nach Jazz oder Blues, aber nie nach Missisippi oder Baumwollplantagen. Der Groove installiert sich eigentlich eher in unisono gespielten, minimalistisch variierten, heavy Riffs a la Black Sabbath oder Led Zeppelin. Stilrichtungen wie Funk oder Soul sucht man vergebens.
Und was ich auch nicht ganz verstehe, ist, wieso diese Überblendungen von Glockengeläut oder Akkordeon-Gefiepe umbedingt sein müssen. Wahrscheinlich um keinen Fade-Out machen zu müssen...
..für alle Fans von Prog-Rock, psychedelischem Folk und Skandinavien ist diese Compilation aber das absolute Muss! Man nimmt sich bei Hören sofort vor, im nächsten Skandinavien-Urlaub umbedingt auf Fjorde und Seen zu verzichten und die ganze Zeit in Plattenläden und auf Flohmärkten rumzuhängen um nach diesen Perlen zu tauchen...
(Anspieltipps:
CD1: 5) "Tvivlaren" - Asoka
CD1: 7) "Being is more than Life" - Baby Grandmothers
CD2: 9) "Musiken är Ljuset" - Kajpa
CD4: 2) "Fillins Mignon" - Janne Schaffner
CD4: 13) "Jag är Trött" - Vatten)
arie - 28. March, 18:59
kein geblei - mitbleien
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